In der Ausgabe vom 11. November 1874 meldete
die Bopparder Zeitung: "Boppard erhält mit der Zeit noch alles.
Vergangenen Sonntag wurde von einer großen Zahl junger Leute die
Bildung eines sozialdemokratischen Vereins beschlossen." Mit dem
Gründungsdatum 08. November 1874 hat die Bopparder SPD in diesem
Jahr den 135. Geburtstag zu feiern. Zweifellos ist die SPD damit
die älteste politische Kraft in der Stadt, wenngleich sie in ihrer
langen Geschichte sich immer gegen eine konservative Mehrheit
behaupten musste. Der zweite Ortsverein entstand mehr als 70 Jahre
später am 01. Februar 1948 in Bad Salzig. Es folgten 1956 die
Ortsvereinsgründungen Holzfeld-Rheinbay und 1959 Hirzenach. Am
01. Mai 1969 wurde auf der Höhe in Buchholz der Ortsverein
Buchholz-Niederkirchspiel gegründet, aus dem am 17. Januar 1980
wiederum der jüngste Ortsverein Oppenhausen-Herschwiesen
hervorging. Eine lange Geschichte, die uns mit Stolz erfüllt.
Der 23. Mai 1863, der Gründungstag des
Leipziger "Allgemeinen deutschen Arbeitervereins" gilt als der
Geburtstag der deutschen Sozialdemokratie.
Der von Ferdinand Lasalle ins Leben gerufene
"Arbeiterverein" begriff sich als Organisation der arbeitenden
Menschen mit der Absicht und dem Ziel, für die Arbeiter und
kleinen Handwerker, die Knechte und Tagelöhner, für das
lohnabhängige, politisch völlig rechtlose, polizeistaatlich
unterdrückte, verelendete und ausgebeutete Proletariat jener Zeit
bessere Lebensbedingungen, politische, soziale und menschliche
Gleichberechtigung zu erzwingen.
1869 gründeten August Bebel und Wilhelm
Liebknecht die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei", die sich auf
dem Gothaer Einigungsparteitag vom 22. bis 27. Mai 1875
vereinigten. Über die Geschichte der Bopparder Sozialdemokratie
ist wenig bekannt. Die SPD ist in ihrer langen Geschichte zweimal
verboten worden. Einmal unter Reichskanzler Otto von Bismarck von
1878 bis 1890 und einmal unter Reichskanzler Adolf Hitler von 1933
bis 1945.
Am 11.09.1883 macht die Bopparder Zeitung die
bemerkenswerte Mitteilung: "Ein Unbekannter legte in die Flure
mehrerer Wirtschaften Stücke des ‚Sozialdemokrat‘. Eine Partie
dieser Blätter sind bis jetzt bereits polizeilich mit Beschlag
belegt."
Bei der Reichstagswahl am 18. Juni 1898 werden
im heutigen Ortsbezirk Boppard von 995 Wählern nur 449 Stimmen
abgegeben. Der sozialdemokratische Reichstagskandidat Ulbrich
erhält 12 Stimmen, mithin 2,7 %. Der erste bekannte Vorsitzende
des SPD-Ortsvereins Boppard nach dem Fall der Sozialistengesetze
war Johann Stein, der nach dem Ersten Weltkrieg mit dem
Fuhrunternehmer Josef Bock die Bopparder Sozialdemokratie führte.
Nach dem zweiten Verbot der SPD am 22. Juli 1933 wurde es auch in
Boppard für die politische Betätigung der Sozialdemokraten sehr
schwer. Am 01. Mai 1933, dem Tag der Arbeit, verbrannten Nazis auf
dem Bopparder Marktplatz eine rote Fahne. Im Sommer 1934 trafen
sich nur noch wenige Genossinnen und Genossen zur letzten
Versammlung im Winzerheim Boppard. Der damalige
Ortsvereinsvorsitzende Franz Schieffer wurde kurze Zeit später auf
der Oberstraße in Boppard von einem Nazi erschossen.
Im Spätsommer 1945 wurde der Ortsverein Boppard
neu gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Willi Eisele,
Richard Ermert, Wilhelm Grewel, Dr. Wilhelm Peupelmann. Der erste
Vorstand bestand aus Wilhelm Eisele, Richard Ermert, Johann Hebel,
Wilhelm Grewel, Jakob Esper und Philipp Bach.
Die Bemühungen der Bopparder SPD waren nach dem
Krieg auf den politischen Neubeginn gerichtet. Man forderte in den
Nachkriegsjahren gegen Kriegsgewinnler, Schwarzhändler und
Währungsschieber vorzugehen. In einem Flugblatt der SPD Boppard
von damals heißt es: "Der Zustand der sozialen Gerechtigkeit muss
daher in der kleinsten Gemeinde durchgeführt werden. Daher
unbedingtes Erfordernis: Innerliche sozial und fortschrittlich
sowie tatkräftig eingestellte Gemeinderats- und
Kreistagsmehrheiten!....."
1958 wurde Willi Erkel Ortsvereinsvorsitzender
der über Boppard hinaus in seiner Eigenschaft als hauptamtlicher
Unterbezirksgeschäftsführer, als Kreisvorsitzender und
Landtagsabgeordneter prägend war. 1976 wurde Wolfgang Gipp
Vorsitzender des Ortsvereins, der diesen bis 1982 führte. Sein
Nachfolger wurde Norbert Neuser, der darüber hinaus 1984 auch
Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Rhein-Hunsrück wurde.
Genossen der ersten Stunde waren in Bad Salzig
Johann Bock, Friedrich Haenlein, Josef Hohenbild, Willi Lehnard
und Wilhelm Schmitz; in Holzfeld Rudi Schulz; in Buchholz Alex
Bersch, Alois Gipp und Heinz Hammerschmidt. Den jüngsten
SPD-Ortsverein Oppenhausen-Herschwiesen initiierte der damalige
Juso-Vorsitzende Walter Bersch. Erste Vorsitzende wurde Hedwig
Poersch.
Nach Bildung der verbandsfreien Stadt Boppard
gründete der Fraktionsvorsitzende Artur Lammer den
SPD-Stadtverband Boppard, der die bestehenden Ortsvereine stärker
zusammenfasste. Bei den Kommunalwahlen 1979 erhielt die SPD auf
kommunaler Ebene erstmals größere Zustimmung und erlangte 12 von
31 Stadtratsmandaten. Gleichzeitig schafft es die SPD erstmals in
zwei Ortsbezirken der Stadt mit Wolfgang Gipp in Boppard und Fritz
Köther in Holzfeld den Ortsvorsteher zu stellen. 1984 verlor die
SPD wieder diese Position im Ortsbezirk Boppard. Dafür erlangte
die SPD erstmals im Ortsbezirk Oppenhausen die Mehrheit, wo Dr.
Walter Bersch Ortsvorsteher wurde. Im November 1986 wählte der
Stadtrat Boppard erstmals mit Wolfgang Gipp einen Sozialdemokraten
zum hauptamtlichen Bürgermeister. 1989 verlor die SPD in Holzfeld
ihre Mehrheit, wurde jedoch neben Oppenhausen in den Ortsbezirken
Herschwiesen und Weiler zur stärksten Partei, wo sie mit Peter
Hilger und nach dessen Wegzug Gustav Schulz und in Weiler mit
Werner Volk den Ortsvorsteher stellte. 1994 verlor die SPD wieder
ihre knappe Mehrheit in Herschwiesen, während in Weiler das Amt
des Ortsvorstehers auf den Sozialdemokraten August Vickus
übertragen wurde.
Am 17. November 1996 wurde mit 56,8 % der
Stimmen in der ersten Urwahl mit Dr. Walter Bersch ein
Sozialdemokrat zum Bürgermeister gewählt. Sein Nachfolger als
Ortsvorsteher von Oppenhausen wurden Jürgen Poersch.
Bei den ersten Urwahlen der Ortsvorsteher
setzten sich in Buchholz Peter Gipp, in Oppenhausen Jürgen Poersch
und in Weiler August Vickus durch. Die SPD erreichte bei der
Stadtratswahl mit 37 % ihr stärkstes Stimmenergebnis bei einer
Stadtratswahl, was nach dem neuen Zählverfahren Hare-Niemeyer
jedoch nur 12 Mandate einbrachte. Bei der Landtagswahl im März
2001 wurde die SPD in Boppard mit 44,4 % stärkste Partei.
Die Kommunalwahlen am 13. Juni 2004 brachten auch für die
Bopparder SPD Stimmenverluste von 4,3 % mit sich, die allerdings
deutlich geringer ausfielen als im Landesdurchschnitt. Während die
Bopparder SPD 1984 mit 30,5 % noch 9,6 % unter dem
Landesdurchschnitt (40,1 %) lag, liegt sie heute mit 32,7 % 3,8 %
über dem Landesdurchschnitt (28,9 %). Bei den Ortsvorsteherwahlen
kandidierte August Vickus in Weiler nicht mehr. In Buchholz und
Oppenhausen behaupteten sich Peter Gipp und Jürgen Poersch mit
eindrucksvollen Wahlergebnissen. Martin Strömann wurde mit einem
sehr guten Ergebnis in der Stichwahl zum Ortsvorsteher des
Ortsbezirkes Boppard gewählt.
Am 10. April 2005 wurde Bürgermeister Dr.
Walter Bersch mit 57,2 % der Stimmen für 8 Jahre in seinem Amt
bestätigt.
Bei den Kommunalwahlen am 7. Juni 2009 hat die
SPD mit 35 Prozent der Stimmen bei der Stadtratswahl das
zweitbeste Ergebnis in der Geschichte erreicht und ist
gleichzeitig im Stadtrat sowie den 10 Ortsbeiräten mit 50
Mandaten, davon allein 7 von 10 Ortsvorstehern, zur stärksten
politischen Kraft in Boppard geworden. Im Ortsbezirk Boppard hat
Martin Strömann seine Position als Ortsvorsteher behauptet ebenso
wie Peter Gipp in Buchholz und Jürgen Poersch in Oppenhausen. Im
Ortsbezirk Udenhausen wurde Wilfried Schäfer als SPD-Kandidat als
Ortsvorsteher wiedergewählt. Neu ins Amt des Ortsvorstehers wurde
in Herschwiesen Herbert Schaefer, in Holzfeld Werner Karbach und
in Weiler reinhold Petereit gewählt.
Im Kreistag ist die Bopparder SPD jetzt mit
Monika Müller-Siffrin, Dr. Walter Bersch und Norbert Neuser
vertreten.
Und noch etwas: 30 Jahre nach der ersten
Direktwahl des Europaparlamentes ist Norbert Neuser erstmals
Europaabgeordneter geworden.